Email ein Auslaufmodell und Social Networks in der Arbeitswelt?

Friday, March 13. 2009 | 10:48 | von Jan Sessenhausen

Gestern bin ich in Nico Zorn’s Email-Marketing-Blog auf eine aktuelle Nielsen Studie zur Nutzung von Social Communites aufmerksam geworden: 

Nielsen Online, an analytics firm that tracks time spent online at various websites, has issued a report finding that throughout 2008 social networking sites and blogs saw more time spent by users than personal email.

Ich stimme Nico zu, dass diese Erkenntnis sicherlich nicht bahnbrechend bzw. überraschend ist, da viele Anwender das Community-interne Versenden von Nachrichten inzwischen als quasi Email-Ersatz nutzen (bzw. sogar als Email verstehen). Patrick Ohler, einer der Gründer der beliebten Plattform Wer-kennt-wen.de, hatte diese Beobachtung vor einigen Monaten  in einem Spiegel Online Interview „Für viele unserer Nutzer ist die Benachrichtigungsfunktion von WKW so eine Art Ersatz-E-Mail. Sie finden es viel natürlicher eine Nachricht nicht an eine  E-Mail-Adresse, sondern an eine Person mit vollständigem Namen zu schreiben.“ Ich muss gestehen, dass ich dieser Aussage zum damaligen Zeitpunkt (August 2008) relativ wenig Beachtung geschenkt hatte, musste aber beim Lesen des Artikels auf Nico’s Blog direkt wieder an sie denken. Bei mir selber stelle ich übrigens ähnliche Tendenzen fest, meine schriftliche Kommunikation mit bestimmten Personen hat sich vollkommen von E-Mail auf Netzwerke wie XING oder Facebook verlagert.

Gleichzeitig stelle ich mir damit die Frage, ob sich dieser Wandel weg von der klassischen E-Mail nur in der persönlichen Kommunikationen oder auch in den Geschäftsalltag übertragen wird? Eine firmeninterne Social Community die zentrale Funktionalitäten wie das Versenden von Nachrichten, das Editieren und Austauschen von Dokumenten (auch direkt eingebunden in die entsprechenden Prozesse) und das Zusammenschließen in Arbeits- und Interessengruppen einfach ermöglicht könnte sich zu einem Arbeitsplatz der nächsten Generation entwickeln. Für mich wäre das der aktuell logische nächste Schritt firmeninterner Intranets… oder?

 

Tags: , , , ,

4 Kommentare to “Email ein Auslaufmodell und Social Networks in der Arbeitswelt?”

  1. Torsten Schollmayer |

    Ich gehe noch einen Schritt weiter – die Email ist tod – auch mittelfristig in der Unternehmenskommunikation. Die Email war ein hervorragendes Mittel um den analogen Brief zu ersetzen, eine persönliche Kommunikation zwischen 2 Individuen. Wir leben aber inzwischen in einer komplexeren Welt, die durch eine immer größer werdende Zahl der digital Natives getrieben wird, ich denke das ist unstrittig, da gibt es keinen Weg zurück mehr, selbst meine Eltern (Rentner) kommunizieren über wkw. Was ich aber beobachte ist, dass Leute (und besonders ich) nach Effizienz des Inputstroms der Flut von komplexen Informationen suchen. Und dabei ist die Email und die engverzahnten MS & IBM Produkte kein Support. Was also tun? Ich weiss, ich bekomme jetzt gleich lächelnde Gesichter .. Twitter, bzw. micro-blogging ist ein Ansatz (und bei weitem nicht die Lösung) Informationen effizient in einem sozialen Umfeld (und eine Organsiation in einem Unternehmen ist nichts anderes als eine Gesellschaft) zu verteilen und von der Komplexität zu partizipieren. Wie geht es also weiter? Alle twittern, statt zu emailen? No way!!! Nur wird die Email durch effizientere Tools verdrängt und die CC & ReplyToALL-Kommunikations-Politik wird ein Ende finden.

  2. Markus |

    Naja, es mag sein, dass sich etwas neues findet. Aber ich glaube, dass das eher eine Weiterentwicklung der E-mail sein wird denn ein Ersatz.

    E-Mail ist nur ein Protokoll, letztlich entscheidend ist die Sicht, die uns die Software auf die enthaltene Information liefert. Und da gebe ich Dir recht, das wird sich ändern. Neue Usability für ein altes Protokoll. Aber die E-Mail wie wir sie kennen tot? Auf absehbare Zeit noch nicht!

    Warum?
    1) Dafür sorgen schon die Investitionen, die weltweit in Unternehmen in die Technik E-Mail gesteckt wurden.

    2) Ganze Unternehmen verdienen Ihr Geld mit der Technologie E-Mail (Freemailer, Softwarehersteller, etc.)

    3.) E-Mail ist verbreitet, und zwar so massiv wie kein anderer Dienst. Akzeptanz kommt nicht zuletzt von Verfübarkeit und Verständnis, und hier erreicht E-Mail eine unglaubliche Menge Leute.

    Cheers,
    Markus

  3. Ralf |

    Ich wollte von meinem 17 jährigen Sohn wissen warum er nie auf meine emails antwortet. Er meinte daß emails nicht geeignet sind für persönliche Nachrichten, sondern einen offiziellen Charakter haben. Die jüngere Generation hat da offensichtlich andere Nutzungsgewohnheiten. Ich muß wohl zu den Lokalisten, damit mein Sohn meine Nachrichten liest.

  4. Jan Sessenhausen |

    Hallo Ralf,

    spannend wäre jetzt zu wissen, was genau das unpersönliche an Email ist? Sicherlich ein fehlendes Element gegenüber der Kommunikation in den Social Networks ist das fehlende Bild der Person der man schreibt – aber das kann doch nicht alles sein?!?

    Eine Einstufung der unterschiedlichsten schriftlichen Kommunikationsmittel (Email, SMS, Brief, Nachrichten in Netzwerken, Twitter, …) nach persönlich / unpersönlich bei unterschiedlichen Altersgruppen wäre mal interessant…

4 Comments