Weniger Anbieter im Onlinejournalismus?
Thursday, April 16. 2009 | 19:00 | von Jan SessenhausenAuf manager-magazin.de erschien vor einigen Tagen ein recht interessanter Artikel zur aktuellen Einschätzung der Zukunft der Medien durch Mathias Döpfner, Vorstand des Axel Springer Verlags.
Mathias Döpfner wagte am Montagabend Woche in Hamburg einen Blick in die Zukunft der Medien. Einen besonders großen Umbruch sieht der Chef des Axel Spinger Verlags im Onlinejournalismus. Hier werde sich, so Döpfners Prognose, die Anzahl der Mitbewerber noch stärker verringern als im Print-Markt.
Hmmm, die Zahl der Wettbewerber im Onlinejournalismus wird sich verringern? Also dieser Prognose kann ich nicht ganz folgen, denn allein das Blogging ist sicherlich ein Trend der so schnell nicht wieder verschwinden wird. Vermutlich liegt der These eine recht scharfe Abgrenzung des Begriffes Onlinejournalismus zugrunde – und alles ohne Verlagshaus im Hintergrund wurde ausgeklammert.
Was im Umfeld des Onlinejournalismus aus meiner Sicht aktuell fehlt ist eine organisierte und einfache Zweitverwertung von Inhalten (bzw. Fremdbeschaffung von Inhalten für Blog- und Magazinbetreiber). In einem Beitrag vor einigen Wochen hatte ich ja bereits den Ansatz der britischen Zeitung Guardian vorgestellt, die eigene Inhalte über eine API zur Einbindung in fremde Seiten freigibt und als Gegenleistung, vereinfacht darstellt, Werbeplätze erhält.
Als zweite Form der Wiederverwertung muss sich aus meiner Sicht das klassische Wiederverkaufen von Inhalten etablieren, d.h. ein Autor wird für das Einbinden eines Beitrags z.B. in einem Online-Magazin oder einem Blog mit einem bestimmten Betrag oder einen Anteil an den damit erzielten Werbeerlösen vergütet. Ein recht klassisches Modell im Print-Journalismus welches online aktuell kaum praktiziert wird. Da dieses Modell eigentlich für alle beteiligten positive Effekte hat, sehe ich darin auch eine große Chance für Blogger und freie Journalisten mit Ihren Inhalten online ausreichend Geld für den Lebensunterhalt zu verdienen.
Auf Basis eines solchen Marktes an Inhalten ließen sich interessante Angebote bauen: Blogs wären nicht mehr nur noch 1-Personen Unternehmen / Redaktionen, sondern könnten das eigene Angebot durch fremde Artikel erweitern. Somit würde der Blogbetreiber neben dem eigenen erstellen von Inhalten gleichzeitig in die Rolle eines klassischen Chefredakteurs rutschen und seinen Lesern eine Art Qualitätssicherung für fremde Inhalte bieten.
Die Einschätzung von Mathias Döpfner, dass semiprofessionelle bzw. nutzergenerierte Inhalte keine ernsthafte Gefährdung des Journalismus seien (und auch nicht werden), teile ich also nicht ganz. Schon heute hält sich der Mehrwert an (Hintergrund-) Information in vielen Print-Zeitungen und Magazinen in Grenzen, da auch professionelle Journalisten immer mehr auf für alle verfügbare Informationen aus dem Netz zurückgreifen. Viel werden die Leitartikel der großen Magazine inhaltlich immer „flacher“ und regen mich kaum noch zum Kauf einer Zeitung an. Und Springer’s Auflagenmaschine Nr. 1 Bild-Zeitung kann Mathias Döpfner mit der Aussage „Die Menschen würden auch in Zukunft gut erzählte, von Profis recherchierte Geschichten nachfragen.“ doch nicht gemeint haben, oder?
Tags: Blogs, Onlinejournalismus, Springer

Interessanter Artikel!